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DER STARKE TOBAK DES MONSIEUR BRASSENS
Georges Brassens in deutsch -- übersetzt und gesungen von Ralf Tauchmann |
DER DAMPF
![]() (La vapeur) Der Dampf ist heutzutag ganz oben auf der List’. Nichts geht mehr ohne ihn! Ist’s für die Welt ein Segen? Um frei nach Wahl sich um die Erde zu bewegen, Ist’s wahr, dass für die Reise solch Eile nötig ist? Zu Wasser und zu Land, ohne zu überlegen, Fliegt man nun hin und her, stets in kürzester Frist. Man äfft die Sonne nach, die hoch auf ihren Wegen Den Himmelsaufenthalt in einer Nacht bemisst. Ein Segen wär’s wohl nur – in Kriegszeiten wie heute, Da die gegen den Tod einst ankämpfenden Leute Vernichtet werden im ergrimmt geführten Kampf –, Betriebe, um den Feind mit arger List zu beugen Und für verbrauchte Krieger Nachschub zu erzeugen, Auch Amor jede Nacht sein Liebeswerk mit Dampf.
DER TOD
![]() (La mort) In diesem armen Dorf mit bitterschwerem Leben Verströmt das Totenfeld in kränklich trister Blässe Den schweren Tränengang der Eibe und Zypresse Und lässt dem Reisenden die Seele schaudernd beben! Wo Kapitelle sonst klagend gen Himmel streben Im trügerischeren Ruhm der entschlafenen Reichen, Weist ein zerbrechlich Kreuz als hochnaives Zeichen Die Stelle, wo die Armen dem Elend sich entheben. Ja, in der Stadt, die stets vor Lust und Freude sprühet, Wo sich die Fülle um den kleinsten Wunsch bemühet, Da endet nicht der Tod leibeigne Sklavenbande! Im tristen Dorf jedoch liegt Mühsal unbenommen, Oh! da könnte der Tod nicht früh genug wohl kommen. Und doch stirbt es sich in der Stadt wie auf dem Lande!
DER MOND
![]() (La Lune) Viele Leut auf der Welt sind Zerrbild ihrer Laune. Man sucht den tiefren Grund und weiß doch nicht, warum! Da bricht ein sanfter Geist, noch eben weise-stumm, Im nächsten Augenblick schon voller Zorn vom Zaune; Der eine spricht Verbot, dann erlaubt er die Sache; Der andre, früh ganz englisch, wird abends zum Tartar. Da ist verwirrt, zerstreut, wer klaren Denkens war, Dem großen Redner fehlt vorm Richter jäh die Sprache. Der eine nutzt das Frühstück und wechselt die Gewohnheit; Der andre wartet bis zum Abend nach der Brotzeit; Der Geizige verteilt, was er sonst neidisch schont. Den Progressiven zieht’s zu den Konservativen; Woher dies Auf und Ab, aus welch launischen Tiefen? Rührt’s wie Ebbe und Flut am Ende her vom Mond?
KEHRT DER GESTRENGE WINTER
![]() (Quand par le dur hiver) Kehrt der gestrenge Winter zurück an tristen Tagen, Um mit flockigem Schnee das Dach weiß zu beziehn, Dann lasst das Schnupfgesicht der trüben Zeit nur klagen. An Reisig mangelt’s nicht, so füllt mir den Kamin! Der Träumer, müßig, satt, legt nach dem Speisen heiter Die Füße an die Glut. Er träumt und glaubt getrost Ans Glück! Er will nur einen Sessel und nichts weiter, Einen sanften Voltaire zum
Spott gegen den Frost.Er schürt sein Feuer auf und bringt es neu zum Glühen, Die Flamme lässt ins Dunkel einen Funken sprühen, Der aufglimmt wie ein Stern; der Blick folget ihm nach. Da scheint ihm, dass der Abendstern die Luft erhellet. Das Trugbild erlangt Form; und wie ihn deucht, gesellet Sich zur Wärme des Tags der Zauber noch der Nacht.
AN DAS MORPHIUM
![]() (A la Morphine) Wenn nötig, Doktor, geh und hol auf Merkurs Schwingen ![]() Den teuren Balsam mir noch früher als zuvor. Der Augenblick ist da, die Spritze mir zu bringen, Die mich vom Höllenbett zum Himmel hebt empor. Hab, Doktor, meinen Dank! währt auch bis zum Gesunden Noch manch endlosen Tag die lang weilende Kur! Der Balsam ist so göttlich, als wäre er erfunden Für den Gebrauch der Götter direkt von Epikur .Ich spüre, wie er mich durchdringt und in mir kreist. Welch unbeschreiblich Wohl im Leibe und im Geist, Die absolute Ruh senkt sich auf mich herab. Ah! hundert Male bohr die Nadel in mich ein, Sankt Morphium, hundert Mal werd ich Dich dafür weih’n. Als Gottheit hoch verehrt hätte Dich Äskulap!
VOR EINER
ZERBROCHENEN SÄULE
![]() (Devant une colonne brisée) Für
Albert Tinchant
Sag,
Säule, die vor mir dort schwarz und abgeschlagen
Wie ein zertrennter Arm stumpf aus dem Boden ragt: Was wurde wohl aus dem gestürzten Helden, sag, Den zu ewigem Ruhm Dein Sockel sollte tragen? Oh, alter Marmor, künd von seinen Heldentagen Oder sag nur den Namen, den längst die Nacht verschlang!... Doch wer könnt Antwort geben auf den verhallten Sang? Denn ach! gegen die Zeit wird nie ein Sieg geschlagen. – Oft ziehen große Vögel über den Ozean, So unzählig im Zug, so hoch auf ihrer Bahn, Dass Menschenaugen sie mit Mühe nur erfassen, Bis sie am Horizont schon bald im Nebelhauch Entschwinden, ohne dass sie Spuren hinterlassen… So wie dereinst wir auch!
Michel Verne
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