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LIEDER - Inhaltsverzeichnis CD UND LIEDAUSZÜGE

besuch beim frühstück
osterreise
Weihnachtsmanns Klage
Wie sage ich's meinen Erben?
Die Ballade von der Made
Abschied von einem alten Freund
Till Eulenspiegel
frühlingslied
maskenball

NachLese Radebeul

DAS KALENDARIUM

besuch beim frühstück

wie ich mich grad des grills bediene·
denk ich: verflucht! hier brummt doch was!
schau halb im schlaf noch zur gardine·
ein heller fleck? was soll denn das?!
oh sieh da! eine honigbiene!

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
lausebübin
pollendiebin
verehrte flora-kupplerin

was sehen meine müden augen?
dass du auf der gardine sitzt!
kannst du nicht sehen· dass zum saugen
die kelche· die du leeren willst·
da sie gemalt nur sind· nicht taugen?

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
kleiner summkopf
kleiner brummtopf
nektar-alkoholikerin

indes· mein summchen· es wär schade·
sollst du umsonst gekommen sein·
summa summarum: du ich lade
ganz herzlich dich zum frühstück ein·
zu drei- bis vierfruchtmarmelade

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
honigtäubchen
blütenstäubchen
hochwohlgeborne dienerin

na los· mein bienchen· summ ein bissel
näher zu mir 'ran· mach's dir bequem
und tauche deinen nektar-rüssel
so lang und tief dir's angenehm
in meine marmeladenschüssel

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
du vernaschte
schleckerkatze
hochkönigliche sieglerin

mein brummchen· ach!· ich seh's mit freuden·
dir schmeckt es bienenköniglich·
doch einen wunsch bevor wir scheiden:
du· lass mich ohne stich im stich!
den längren arm hab ich... von uns beiden

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
du canaille
mit wespentaille
du schmalbrüstige kriegerin

na guten flug! merk dir: hier wohn ich·
hast du tein tagewerk geschafft·
genug gesammelt· so belohn mich
bitt schön für meine gastfreundschaft·
ich hab zwar milch doch keinen honig

stachelbesetzte tigerin
gelb-schwarz berockte fliegerin
amazönchen
morgenschönchen
du müdigkeitsbesiegerin

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osterreise

die häuser ringsum standen schweigend·
mit nackten fenstern auf sie zeigend·
als sie vom brückenkopf verschwand
und lautlos in die tiefe sprang·

wo zwischen betonierten säulen·
durchschäumt von aufgequirlten fäulen·
ein fleckchen klaren wassers tief-
verzweifelt sie beim namen rief·

der wind wollt hastend sie erreichen·
den plan aus ihrem kopf zu streichen·
indes der straßenlärm verschlang
den nahen osterglockenklang·

so ward des mädchens todeswelle
vorübergehend haltestelle
für charons ururalten kahn·
der zufällig vorüberkam·

mit seiner stake hievte leise
der fährmann die durchnässte leiche
auf sein gefährt· mit ihrem hut
markierte er die stelle gut·

da für das junge menschenwesen
der tod nicht angemahnt gewesen·
wurd sie ganz ohne fahrpapier
des charons blinder passagier·

kein obolus· der ihm gebührte·
fand sich bei ihr· und dennoch führte
der totenmann sie schattenwärts·
als schlüg in seiner brust ein herz·

wo schweigend sie vorüberfuhren·
drang klagend kuckucksschrei aus uhren
und blickten hinter fensterglas
zyklopenaugen bläulich blass·

als man des mädchens hut gefunden·
war charon längst mit ihr entschwunden·
und der fluss wälzte voll und schwer
sein wasser dröhnend übers wehr·

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WEIHNACHTSMANNS KLAGE

Frau Holle knausert, geizt und spart
Und Schnee liegt nur in meinem Bart;
So wat' ich patschend durch den Tann,
Ich armer Weihnachtsmann!

Mein Rentier hat sich nicht rentiert,
Es ist im Matsch mir desertiert;
Nun zieh ich selber das Gespann,
Ich armer Weihnachtsmann!

Am Schlitten hab ich über Nacht
Statt Kufen Räder angebracht,
Damit ich weiter ziehen kann,
Ich armer Weihnachtsmann!

Die Kinder spotten naseweis:
»He, Jungs! Seht da den Tattergreis
Mit Spielzeugschlitten hintendran!«
Ich armer Weihnachtsmann!

Mit Fingern zeigen sie auf mich,
Und nachher stehn sie sicherlich
Vor falschen Weihnachtsmännern stramm,
Ich armer Weihnachtsmann!

Hab Mandeln, Nüsse und Korinth
Für jedes liebe art'ge Kind;
Kundenlang stand ich dafür an,
Ich armer Weihnachtsmann!

Doch nirgends öffnen sich die Türn,
Man ließe mich eiskalt erfriern;
Zum Glück ist der Dezember zahm...
Ich armer Weihnachtsmann!

Wo ich letztendlich angeklopft,
Schlug man die Tür mir vor den Kopf;
»Du Dreckschwein bist ja voller Schlamm!«
Ich armer Weihnachtsmann!

»Wir kaufen nichts!« rief die Mama;
»Du Bettelmönch!« schalt der Papa;
»Dich gibt's nicht!« schrie der Sohn mich an,
Mich armen Weihnachtsmann!

So hab am End ich tief gekränkt
Die Mandeln auf der Straß' verschenkt,
Korinthen, Nüsse, Marzipan...
Ich armer Weihnachtsmann!

Doch die unechte Konkurrenz
Wollt' misstrauisch meine Lizenz
Und winkte das Gesetz heran.
Ich armer Weihnachtsmann!

Ein Polizist, der offenbar
Auch Kaiser noch von China war,
Zog mit Macht mich in seinen Bann,
Mich armen Weihnachtsmann!

Nun sitz ich und form leiderfüllt
Ein Menschlein nicht nach meinem Bild;
Rache soll süß sein dann und wann...
Ich armer Weihnachtsmann,

Ich knet' aus unverschenktem Rest
Mir Schokoladenhüter des
Gesetzes, die man einwickeln kann,
Ich armer Weihnachtsmann,

Ich armer alter Weihnachtsmann!

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WIE SAGE ICH'S MEINEN ERBEN?
[ca. 1985]

Ich hör's schon zischeln, tuscheln, tratschen, raunen,
Wenn ich erst hundertfünfzig bin.
Die Welt wird Riesenneubauklötzer staunen:
Wo will der Bursche bloß noch hin?
Die Wälder überkommt ein kühler Schauer
Beim Anblick meines Rauschebarts;
Die ält'sten Eichen werden sauer
Und ärgern sich ob meiner Greisheit schwarz!

Doktoren aller Herrn und Damen Länder,
Wohlwissend um die Sterblichkeit,
Kommen zu mir ins Altersheim geschlendert,
Vereint im Hippokrates-Neid;
Im Wettstreit um die beste Diagnose
Horchen und klopfen sie mich ab
Und gehen, falls sie können, mit Neurose
Ganz ratlos dann am Stock des Äskulap.

Staunend macht mir die Presse wohlgesonnen
Das Blatt vorm Mund ein Spältchen auf;
Rüstig marschier ich durch Zeitungskolonnen,
In begradigtem Lebenslauf;
Er steht dort in den rosaroten Zahlen,
Fast böte man ihm national
Einen Gemeinplatz in den Weltannalen,
Doch dafür war er nie genug anal.

Doch stutzt man, den Nachahmungstrieb zu zügeln,
Die öffentliche Meinung sacht
Ganz halbwahrheitsgetreu mit Entenflügeln;
Ich mein' die Meinung, die man macht.
Man dirigiert den Spatzen auf den Dächern
Die Pfeifkonzerte gegen mich:
Ich sei die schlimmste Sorte von Verbrechern,
Jene, die selbst Naturgesetze bricht!

Die Klatschbasen sind sogleich unverhohlen
Besorgt um mein sterbliches Wohl;
Sie würden gern den Tod ins Haus mir holen,
Da ich ihn mir nicht selber hol';
Sie winden plappernd ihre Kaffeekränze
Und schmücken, wenn der Tod mir sagt:
»Hans-guck-in-die-Gruft, Freund, mit dir ist Sense!«
In froher Trauer damit meinen Sarg.

Mir klapprig-altem Hasen ist der Trubel
Am Ende sicher ganz egal;
Doch niemals ist man gänzlich ohne Skrupel,
Schon heut frag ich mich manchesmal:
Wie sage ich's denn dann nur meinen Erben,
Die schleichend längst am Bettrand stehn:
Ich wollte Frankreich sehn und sterben,
Nun werdet wohl auch Ihr noch vor mir gehn!

Geleit auf die Zukunft
[Mein Optimismus kennt schier keine Grenzen]

Hat man mir schließlich noch die Chance gegeben,
Wohl hoffend, daß ich sterben werd',
Denk ich mir: Frankreich sehn und leben
Ist eigentlich ein kleines Sprichwort wert!

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DIE BALLADE VON DER MADE

Eine grau bis schwarz gefärbte,
Unscheinbare, leicht verderbte
Ausgewachsne kleine Fliege
Kam hochschwanger tief im Bogen
Von den Wiesen her geflogen,
Sparte sich den Kauf der Wiege
Und setzte die frische Made
Im Eikörbchen, ei! wie schade!,
Aus im nahgelegnen Dorfe,
Vogelfrei als Vogelfutter,
Dann kratzte die Rabenmutter
Gradenflugs die nächste Kurve,
Verschwand auf Nimmerwiedersehn
Im Flügelumdrehn.

Doch zum Glück gab's einen großen
Apfelbaum als Obdachlosen-
heim für verlassne Insekten,
Dessen Äste voll Erbarmen
Sich beschützend nach dem armen
Kleinen Findelmädchen streckten;
Und der Obstbaum hat der Larve
Auch erlaubt, ihn bei Bedarfe,
Gern als Stammbaum anzugeben,
Sie durft' in Geäst und Blättern
Bis hin zu den Stellen klettern,
Wo die reifen Früchte schweben,
Und suchte sich ein Apfelhaus
Als Wohnstätte aus.

Sich in diesem wenn auch schlichten
Häuschen häuslich einzurichten,
War fürwahr kein Zuckerschlecken,
Gab's in den vier runden Wänden
Arbeit doch an allen Enden,
Allen Ecken zu entdecken;
Heiß gepackt vom Einzugsfieber,
Stürzte sie sich gleich kopfüber
In die Arbeit ganz beflissen,
Hatte zwar beim Um-Aus-Bauen
An dem Fruchtfleisch stark zu kauen,
Jedoch bald hindurchgebissen,
Bezog sie überglücklich ihr
Kerniges Quartier.

Aus dem Fenster des Gebäudes
Schaute sie nun stolz und freudes-
trunken sah auf Blumenwiesen
Sie tief unter ihrem Blätter-
dach zwei kunterbunte Schmetter-
linge sich im Winde wiegen.
Wie gern würd' sie gleich den Faltern
Schillernd durch die Lüfte flattern
Und von süßem Nektar leben!
Es fraß sich dem armen Würmchen
Der Wunsch tief ins Madenhirnchen
Und blieb zähflüssig drin kleben;
So lud sie die zwei Falter ein-
fach zum Richtfest ein.

Unbeschwert und guter Dinge
Schwangen sich die Schmetterlinge
Zum Gastgeber in die Höhe,
Nahmen freundlich ein paar Proben
Süßen Nektars mit nach oben,
Dass ein schönes Fest entstehe;
Wahrlich, solch ein Zechgelage
Hörte man nicht alle Tage,
Laut war das Kerbtiergekicher;
Vom schaukelnden Apfel fielen
Ausgetrunken all die vielen
Blütenkelche, Blütenbecher;
Wie Gold schwebte vom grünen Laub-
dach der Blütenstaub.

Neidisch, da nicht eingeladen,
Fingen im Gezweig zwei Raben
Plötzlich lauthals an zu krächzen;
Sie gebrauchten raue Worte,
Warn Großschnäbel jener Sorte,
Die nach schwachen Opfern lechzen.
»Für dich schnöden Abfallfresser
Wär ein Pferdeapfel besser!«
Hörte man sie grausam lachen;
Mutig aber rief die Kleine:
»Von euch Vögeln lass ich meine
Wohnung mir nicht madig machen!
Wir sehn noch, wer als letzter lacht!
Vorerst gute Nacht!«

Maßgeschneidert auf ihr Leibchen
Strickte gähnend sie ein Kleidchen
Für die Nacht, die angebrochen,
In welches die stark erschöpfte,
Müde Made schläfrig schlüpfte,
Um den Raben klarzumachen:
»Werd ich erst gleich Schmetterlingen
Mich hochauf zum Himmel schwingen,
Wird der Hohn euch schon vergehen!«
Doch dies gab der Spottgebärden
Nur noch mehr: »Hat man auf Erden
Maden jemals fliegen sehen!?
Und wenn, erlaubt dies die Natur
Dir als Fallobst nur!«

Zornig schlug der Baum den bösen
Krächzern ohn' viel Federlesen
Glatt sein Blattwerk ums Gefieder.
»Ihr vermaledeiten Nebel-
krähen, haltet eure Schnäbel!
Müsst ihr Spötter immer wieder
Jene Wesen, die tief drinnen
Traum und Wirklichkeit verspinnen,
Mit Hohn und Verachtung strafen?!
Wer weiß, es geschehn mitunter
Doch noch Zeichen und auch Wunder;
Lasst nun unser Püppchen schlafen!
Ich fordre Ruhe im Geäst!
Schnäbel zu!... und pssst!«

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ABSCHIED VON EINEM ALTEN FREUND

Hier steh ich nun vor dem Bücherregal,
Treuer Gefährte aus Kindertagen,
Um Dir ein letztes Lebwohl zu sagen,
Glaub ja nicht, mein Freund, das wär mir egal.
Du trugst als Kind mich über den Fluß
Durch eine Welt voller Abenteuer,
Durch Himmel, Wasser, Erde und Feuer,
Warst mein Heiligtum, mein Ralfophorus.

Im Alter meiner Warum und Wieso
Schürtest Du mein großes Kinderstaunen
Mit exotischen Floren und Faunen,
Mit liebenswürdigen Freunden en gros;
Du führtest mich zum Weltbummel aus,
Was für außergewöhnliche Reisen!,
Du stahlst Dir bunte Steine von Weisen
Und bautest uns draus ein Landkartenhaus.

Ich konnte mich, nahmst du mich bei der Hand,
Selbst bis zur Mitte des Erdballs wagen,
Ich trottete Dir in achtzig Tagen
Um die Welt hinterdrein von Land zu Land;
Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer
Wiegten wir zwei uns im Kinderreigen;
Ich ließ mir gern die Welt von Dir zeigen,
Wog auf Papier sie doch nur halb so schwer!

Du faltetest Dein weißes Schreibpapier
Zu Segelschiffen, Tauchapparaten,
Vollgepfropft mit Genies und Piraten,
Und ließest sie schwimmen bis her zu mir;
Ich sprang an Bord und wurd dafür zum Lohn
Ein Kapitän von nur fünfzehn Jahren,
Ich hab so alle Meere befahren,
Und zwei Jahre Ferien, wo gab's das denn schon?

Du schufst für Deine neuen Robinsons
Geheimnisvoll-schöne Inselreiche,
Du spieltes Antifer hübsch üble Streiche,
Du spucktest papierne Kugeln zum Mond;
Aus Tinte formtest Du am Bosporus
Starrköpfig trotzende Kerabane,
Du tauchtest mir in die Badewanne
Als Plansch-Entchen des Nemos Nautilus.

Schließlich hab ich, ahnte nichts von Gefahr,
(ach! ich glaub, es musste so kommen!)
Eins Deiner Bücher zur Hand genommen,
Das die Offenbarung einst für mich war.
Oh! Welch Enttäuschung! Ich fand mich nicht mehr,
Nicht auf den Inseln unsres Planeten,
Nicht auf dem Mond, noch auf dem Kometen,
Noch tief im Erdball, geschweig' denn im Meer

Hier steh ich nun, wie all dem wohl auch sei,
Um mir ein Buch für die Nacht zu wählen;
Du siehst ja selbst, was soll ich's verhehlen,
Wieder einmal griff ich an Dir vorbei!
Das tut im Herzen weh, was ich hier tu,
Schwer ist es, Freunden Lebwohl zu sagen,
Doch muss ich wohl den Abzählreim wagen:
Eene meene muh, und raus bist Du!

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TILL EULENSPIEGEL

    Die Sonne vorm Bug ist am Untergehn.
            Die Menschen an den Ufern
            Winken und rufen:
    »Habt Ihr Till Eulenspiegel gesehn?«

    Till Eulenspiegel? Ob ich wen gesehen hab?
            Ach ja, plötzlich fallen
            Erinn'rungen aus allen
            Wolken zu mir herab:

Wieder ließen Deutsche sich zu Pleiten leiten,
Von neuen Führern nasgeführt;
Diesmal wurd ein Bücherweltgebäude Beute
Von Zwergen, die's für sich ungerührt eingerührt;
    Die Elbe löffelt trüb das Abendrot...

Wenn ich nur mit der Faust auf die Epoche poche,
Wenn ich nur stur in einer Tour
Scheiterhaufen fürn Rest der Geschichte schichte,
Dann scheitre ich am End im eignen Hafen nur;
    Der Horizont raucht und qualmt wie ein Schlot...

Um ein Haar dürften sich heut die Obristen brüsten,
Es hat nicht viel Befehl gefehlt,
Dürften im Ehr'nkränzchen auf Patronen thronen...
Wehe dem, der auf dem inn'ren Schlachtfeld fällt;
    Der Horizont loht rot und verroht...

Wer weiß, wo all die alten Stalinisten nisten,
Die das Volk verfolgt und die die Macht gemacht;
Wir verdanken schöne neue Weltruinen ihnen,
Da sie stets stur nur bis zum eignen Dach gedacht;
    Im Kielwasser wogt ein Teppich von Kot...

        Rohre weinen gelbe
        Dicke Tränen zur Elbe:
        Eulenspiegel ist tot!
        Die Schiffssirenen
        Heulen und dröhnen:
        Eulenspiegel ist toooooot

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frühlingslied
 

der frühling hat
den winter satt
und jagt ihn pat-
zig aus der stadt
ich halt ihm glatt
die stange
der winter war
in diesem jahr
zu sonderbar
nicht eiskalt zwar
jedoch fürwahr
zu lange

das osterfest
ist winterfest
und bringt den rest
der weißen pest
in unsrem nest
in nöte
es fließt ihr blut
in heller flut
das gibt uns mut
und tut uns gut
ich zieh den hut
vor goethe

zwar deckt noch der
märzhimmel schwer
und geigenleer
ein wolkenmeer
über die er-
ste sonne
die heimlich im
verborgnen glimmt
doch bald schon schwimmt
sie ganz bestimmt
im regen in
der tonne

der kachelo-
fen fastet froh
denn wir sind oh-
ne kalten po
vorbei das koh-
lentragen
vorbei der graus
wo mann und maus
in jedem haus
tagein tagaus
den ofenschmaus
beklagen

vorbei das leid
der winterzeit
das dicke kleid
weicht hilfsbereit
ins eck der klei-
dertruhe
und als ersatz
für stiefelschaft
mit pelzbesatz
bringt man ratz batz
die frühlingshaf-
ten schuhe

in windeseil
hält amor pfeil
um pfeil wie veil-
chensträuße feil
ein weidmannsheil
dem schützen
der angelang-
te pfeil verlangt
daß wir uns krank
nun nächtelang
am weidmannsdank
ergötzen

mir steht der sinn
nicht nach gewinn
geldgierig bin
ich zwar nicht, in-
des trag ich in
den taschen
falls auf dem feld
ein kuckuck gellt
nun stets ein geld-
stück das nicht fällt
'nen kleinen güld-
nen groschen

noch brüllt der wind
recht kühl gestimmt
der nächste win-
ter kommt bestimmt
halt er geschwind
den schnabel
sonst kenn ich kein
pardon mehr - nein!
und schlag ihm sei-
nen brauskopf ein
wie einst der kain
dem abel

der winter wär geschafft
er kommt in frühlingshaft
da mag sich der april
winden wie er will

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maskenball
 

»maskenball,
unter all
den masken ich;
als pirat
tu ich grad
meinem gesicht
heut alle erdenkliche ehre!
ach, wenn ich's manchmal doch nur wäre!

ei juchhe!
zu der fee
mit quarkgesicht,
liebe leut,
gehör heut
ausnahmsweis' ich,
der fee dort in den schwarzen farben,
der mit den zuckerwasserhaaren.

überall
auf dem ball
hör ich es schrei'n:
jene schö-
ne waldfee
- das kann nicht sein! -
sei eine der freibeuterbräute!?
nein! entern! auf zur leichten beute!

ein kerl kommt,
verdammt! prompt
im sonntagsstaat,
lacht mich an,
führt sie dann,
- »selber pirat!« -
zum tanz, um, ohne sich zu schämen,
die faschingsfee mir wegzunehmen!

bitte sehr,
führe er
zum tanze sie,
denn die fee
mir wegneh-
men kann er nie!
feen sind weder kühe noch kälber;
sie gehörn immer noch sich selber!

tja, als see-
räuberfee
gefiel sie mir
besser als
an dem hals
des andren hier;
die bücherweisheit gilt noch heute:
es machen kleider leider leute!

maskenball,
unter all
den masken ich;
als pirat
tu ich grad
meinem gesicht
heut alle erdenkliche ehre!
ach, wenn ich's manchmal doch nur wäre!«


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